Wenn du schneller druckst oder deine Beschleunigung hochziehst, tauchen oft zwei typische Fehlerbilder auf: Ecken blähen auf (zu viel Material in der Ecke) oder es entstehen kleine Lücken direkt am Eckpunkt. Beides hat häufig denselben Ursprung: Der Druck im Hotend baut sich nicht „sofort“ auf und er fällt beim Abbremsen nicht „sofort“ ab.
Pressure Advance (PA) ist die Klipper-Funktion, die genau diese Verzögerung kompensiert. Richtig getuned wirkt die Extrusion entlang einer Bahn gleichmäßiger: weniger Corner-Blobs, weniger „Divots“, sauberere Linienenden.
Key takeaways
- Pressure Advance gleicht den Druckverzug im Hotend bei Beschleunigung und Abbremsen aus.
- PA verändert die Verteilung von Material entlang einer Bahn, nicht die Gesamtmenge (wenn dein Grund-Flow stimmt).
- Zu niedriges PA → aufgeblähte Ecken/Blobs. Zu hohes PA → Lücken/Divots in Ecken.
- In Klipper lässt sich PA reproduzierbar mit einem Testdruck und dem
TUNING_TOWER-Ansatz kalibrieren. - Marlin nennt das gleiche Prinzip „Linear Advance“ (K-Factor), aber die Parameter sind nicht 1:1 übertragbar.
Was ist Pressure Advance in Klipper?
Pressure Advance ist eine dynamische Korrektur des Filamentvorschubs, die bei Geschwindigkeitsänderungen greift.
- Beim Beschleunigen „hinkt“ der Druck im Hotend hinterher. Ohne Korrektur wirkt der Start einer schnelleren Strecke leicht unterextrudiert.
- Beim Abbremsen steckt noch Druck im System. Ohne Korrektur drückt es Material in die Ecke und du bekommst Blobs.
Klipper beschreibt Pressure Advance als Methode, um Oozing bei Nicht-Extrusionsbewegungen zu reduzieren und Blobbing beim Cornering zu minimieren, inklusive einer konkreten Kalibrier-Anleitung in der offiziellen Seite „Pressure advance“ (Klipper Dokumentation).
Das Wichtigste: PA ist nicht „mehr Flow“
Ein häufiger Denkfehler ist, Pressure Advance wie eine Art Flow-Boost zu behandeln.
PA soll die Extrusion zeitlich so verschieben, dass die Linien über die gesamte Bewegung konsistent wirken. Es geht um „wann“ Material ankommt, nicht um „wie viel insgesamt“. Ellis erklärt das sehr klar: PA/Linear Advance verändert die Materialverteilung, nicht die Materialmenge (wenn die Basis stimmt) – siehe Ellis’ Einführung zu Pressure/Linear Advance.
Pressure Advance vs. Retract vs. Flow vs. Input Shaper
Wenn du an der falschen Stellschraube drehst, verschwendest du Zeit.
- Flow / Extrusions-Multiplier: Grundsätzliche Materialmenge. Falsch eingestellt ist alles überall zu dick oder zu dünn.
- Retract: Hauptsächlich gegen Stringing beim Travel.
- Pressure Advance: Korrektur für Ecken und Linienenden bei Speed-Änderungen.
- Input Shaper: Gegen Ringing/Resonanzen. Hilft Oberflächen, ersetzt aber kein PA.
Woran erkennst du „zu niedrig“ vs. „zu hoch“?

Pressure Advance zu niedrig
- Ecken wirken „fett“ oder haben einen kleinen Blob.
- Linienenden sind minimal aufgedickt.
Pressure Advance zu hoch
- Kleine Lücken/Divots direkt in der Ecke.
- Segmentanfänge/-enden wirken zu dünn.
Key Takeaway: Wenn du zwischen zwei Werten schwankst, ist „minimal zu niedrig“ oft weniger riskant als „minimal zu hoch“ – zu hohes PA kann optisch schnell als Unterextrusion wirken.
Pressure Advance Klipper einstellen: die reproduzierbare Kalibrierung
Die robuste Variante ist: Klipper variiert den PA-Wert über die Höhe eines Testdrucks und du suchst den Abschnitt mit den saubersten Ecken.
Vorbereitung (damit der Test aussagekräftig ist)
- Tune erst Rotation Distance/Steps, Temperatur und grob den Flow.
- Nutze ein Testobjekt, das Ecken betont (Klipper verlinkt dafür einen „Square Tower“).
- Drucke schnell genug, damit der Effekt sichtbar wird (häufig um 100 mm/s Außenwand, abhängig von deinem Setup).
Testablauf in Klipper (Prinzip)
Klipper gibt in der Doku ein Muster vor:
- Eckverhalten „sichtbarer“ machen (z. B. über ein niedriges
SQUARE_CORNER_VELOCITYund definierteACCEL). -
TUNING_TOWER, umSET_PRESSURE_ADVANCEüber die Höhe zu erhöhen. - Höhe messen, an der die Ecken am saubersten sind.
- Wert nach dem Schema
pressure_advance = start + measured_height * factorberechnen. - In
printer.cfgunter[extruder]setzen und Firmware neu starten.
Die konkreten Befehle unterscheiden sich je nach Extruder (Direct Drive vs. Bowden) und stehen in der Klipper-Doku.
⚠️ Warning: Wenn du bei der Kalibrierung plötzlich Extruder-Skipping bekommst, ist das oft die Kombination aus hoher Beschleunigung und hohem PA. Dann PA reduzieren oder Beschleunigung realistisch begrenzen.
Pressure advance test tower: worauf du beim Auswerten achten solltest
- Schau dir mehrere Ecken an, nicht nur eine.
- Ignoriere Ausreißer durch Seam/Layerwechsel.
- Wenn die Ecken „ab einem Punkt“ anfangen, kleine Lücken zu zeigen: das ist oft schon zu hoch.
Wenn du nach „ecken blobben 3d druck pressure advance“ suchst
Dann ist deine Hypothese meist: PA ist zu niedrig oder das Zusammenspiel aus PA, Temperatur und Retract passt nicht.
- Wenn Blobs vor allem an Richtungswechseln passieren: PA schrittweise erhöhen.
- Wenn Blobs eher als Fäden/„Ooze“ zwischen Teilen auftreten: Retract/Temperatur prüfen (PA ist nicht der einzige Hebel).
Marlin Linear Advance (K-Factor): was ist gleich, was ist anders?
Marlin nennt das gleiche Konzept „Linear Advance“. Häufig liest du dazu „K-Factor“. Inhaltlich ist das Ziel dasselbe: Druckverzug in der Düse kompensieren.
Wichtig: Die Parametrisierung ist anders. Es ist meistens sinnvoller, in Klipper neu zu kalibrieren, statt einen „Linear Advance Marlin K factor“ irgendwie umzurechnen.
Wann du Pressure Advance neu tunen solltest
Rechne mit einer Neutunung, wenn sich relevante Rahmenbedingungen ändern:
- Filamenttyp (PLA vs. PETG vs. ABS/ASA)
- Düse/Hotend (Durchmesser, Geometrie, Wechsel des Hotends)
- deutliche Temperaturänderung
- wesentlich anderes Speed-/Accel-Profil
Ein kurzer Video-Deep-Dive
Weiterführende Ressourcen
- Offizielles Vorgehen und Details: Klipper „Pressure advance“ (siehe Link oben).
- Konzeptuelle Erklärung und typische Fehlbilder: Ellis’ Print Tuning Guide (siehe Link oben).
- Wenn du ein konkretes, markenbasiertes Walkthrough suchst, findest du zusätzlich den Sovol-Artikel „Pressure advance tuning in Klipper“ (praktische Checkliste und Iteration).
Next steps
- Kalibriere PA einmal pro Filamentgruppe (mindestens PLA und PETG getrennt).
- Notiere den Wert in deinem Filamentprofil, damit du ihn reproduzierbar nutzt.
- Wenn du Beschleunigung oder Nozzle/Hotend änderst: kurzer Re-Test, statt später stundenlang „mysteriöse“ Ecken zu debuggen.




